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Nexus7 ist für die Deutsche Bahn nicht mobil genug (mit Update)

Unterwegs. Um das Ticket für meine heutige Bahnfahrt zu buchen, habe ich die DB-Ticket-App (die man ZUSÄTZLICH zum DB-Navigator braucht, denn der kann nur Fahrplanauskunft) auf dem Nexus7 installiert. Nach Kauf des Tickets wurde mir das PDF per Mail zugesandt und in der App wurde das „Mobile Ticket“ angezeigt, samt QR-Code unter dem Reiter „Check“. Alles schick.

Bei der Fahrscheinkontrolle zeigte ich dem Schaffner den QR-Code auf dem Nexus.

Er so „Nee, das ist kein gültiges Ticket, auf Tablet-PCs ist das nicht zugelassen.“
Ich so „Hm? Aber das Ticket habe ich doch mit dem Gerät über die DB-App gebucht und es wird mir ja hier sogar unter „Check“ zur Vorlage beim Schaffner angezeigt.“
Er so „Nee, das ist aber ein Tablet-PC, das „Mobile Ticket“ ist nur auf dem Smartphone gültig. Sie haben ja den Bestimmungen der App zugestimmt, da steht das ausdrücklich drin.“
Ich so „Aber wieso bietet mir die App dann die Option „Check“ samt QR-Code an, obwohl das gar nicht gültig ist.“
Er so „Steht so in den Bestimmungen. Denen haben Sie ja bei Anmeldung zugestimmt.“
Ich so „Aber können Sie das nicht trotzdem einfach vom Nexus einscannnen? Den QR-Code kann ihr Scanner ja auch vom Tablet ablesen.“
Er so „Nein, das ist ja kein gültige Fahrausweis.“
Ich so „Können Sie dann vielleicht den QR-Code vom PDF einscannen?“
Er so „Nein, das PDF-Ticket liegt ja nicht ausgedruckt vor.“
Ich so „Kann ich dann den QR-Code mit dem Smartphone fotografieren und Sie scannen ihn dann davon ein?“
Er so „Nein, das ist ja dann nicht das Original-Ticket.“
Ich so „Kann ich mir dann vielleicht das Ticket über das Online-Portal als MMS auf’s Smartphone schicken lassen?“
Er so „Nein, das geht nicht.“ (!!)
Ich so „Und was soll ich Ihrer Meinung jetzt machen?“
Er so „Sie kaufen ein neues Ticket und können das alte Ticket online unter „Buchungsrückschau“ stornieren.“
Ich so „Ja, aber das kostet dann 15 Euro Gebühr.“
Er so „Richtig.“
Ich so „Und wenn ich die DB-Ticket-App auf meinem Smartphone installiere und dort das Ticket anzeigen lasse?“
Er so: „Sie können die DB-Ticket-App installieren, müssen sich dann aber mit diesem Gerät neu identifizieren, damit Ihre Daten gespeichert werden können. Das ist wegen Datenschutz.“
Ich so „o_O“
Er so „Und das Ticket ist nur auf dem Gerät gültig,auf dem Sie es gebucht und mit dem Sie sich zuvor identifiziert haben. An die alten Tickets kommen Sie da nicht ran, da müssen Sie sowieso ein neues buchen.“
Ich so „Aber ich hab mich ja mit dem Nexus identifiziert und damit das Ticket ordnungsgemäß gebucht.“
Er so „Nein. Sie fahren ohne gültigen Fahrausweis, entweder Sie kaufen jetzt bei mir ein Ticket, oder ich brauche mal Ihren Personalausweise und dann wird das für Sie richtig teuer.“

Das Ganze ging noch ein bisschen hin und her, andere Fahrgäste mischten sich ein und ich habe alle möglichen Vorschläge zur Einigung gemacht. Ohne Erfolg. Er hat mir keine Zeit gelassen, in das mobile Bahn-Portal zu schauen oder die App auf dem Smartphone zu installieren. Irgendwann habe ich kapituliert und ein neues Ticket gekauft. :/

Dann musste ich umsteigen und sitze nun im anderen Zug und habe Zeit, das mobile Bahn-Portal zu konsultieren. Und siehe da: Ich kann zwar in der Buchungsrückschau keine Stornierung durchführen, mir aber mit nur einem Klick das Ticket als MMS auf Smartphone zusenden lassen, womit ich dann ein so richtig gültiges Ticket gehabt hätte. Sobald ich am Zielbahnhof angekommen bin, werde ich versuchen, das Ticket offline zu stornieren, um zumindest einen Teil des Geldes zurückerstattet zu bekommen. Dieser Text geht an das Serviceteam der Deutschen Bahn.

Gerade kam der Schaffner des neuen Zuges vorbei und ich habe ihm testweise auch das Nexus-Ticket gezeigt. Er war ganz entzückt ob des schönen Gerätes und zückte direkt den Scanner. Auf meine Frage, ob das für ihn ein gültiges Ticket sei, fragte er nur verdutzt: „Na klar, warum denn nicht?“

Nachtrag vom 17.09.2012, 0:41 Uhr:
Natürlich habe ich mir den Namen des Schaffners geben lassen und werde ihn auch entsprechend bei der Beschwerde benennen. @db_bahn hat sich zu Wort gemeldet: „Handy-Tickets dürfen nur auf einem MMS-fähigen Gerät vorgezeigt werden.“ (Ist eigentlich ein iPad MMS-fähig?) Bleibt die Frage, warum die App dann überhaupt im Play-Store zum Download für das Nexus7 angeboten wird, ohne jeglichen Warnhinweis. Ach.

Das DB-Reisezentrum am Zielbahnhof war übrigens bereits geschlossen, entgegen der Aussage von @db_bahn war eine Stornierung online nicht möglich, und jetzt ist Stornierungsfrist überschritten.

DB-Erlebnisberichte scheinen übrigens ein sehr dankbares Thema zu sein. Hier die Kommentare zu meinem Post auf Google+, hier der Artikel bei rivva und Trending Topic auf twitter isses auch schon.

Update: Montag, 17.09.2012, 19:30 Uhr
@db_bahn hat mir heute Nachmittag per DM die E-Mailadresse für Twitterbeschwerden mitgeteilt und darauf hin habe ich ihnen den Link zum Blogbeitrag samt Namen des Schaffners und Angaben zu den Buchungsnummern geschickt. Kurz darauf rief mich eine sehr freundliche Mitarbeiterin an und bot mir an, das doppelte Ticket in Höhe von 61,50 Euro umgehend zu erstatten und dazu noch einen Bordrestaurant-Gutschein in Höhe von 10 Euro auszustellen. Ich habe angenommen.

Der Blogbeitrag und das laute Echo sind bei der Deutschen Bahn angekommen und haben ihre Wirkung voll entfaltet. Ich schätze, mit einer Beschwerde per Brief wäre die Angelegenheit nicht weiter beachtet worden. Das Social-Media-Team war bei der ganzen Sache sehr hilfreich, hat schnell und angemessen reagiert und meine Beschwerde an die Zuständigen weiter geleitet.

In den AGBs (PDF) steht übrigens tatsächlich nichts von „keine Tablets“, bisher fehlt wohl eine offizielle Definition von „mobiles Endgerät“.

8.4 Im Handy-Ticket-Verfahren werden die verschiedenen Buchungsdaten in einem Barcode verschlüsselt und sind als MMS oder über die App „DB Tickets“ auf dem Display des mobilen Endgerätes enthalten. Bei der Fahrkartenkontrolle hat der Reisende die MMS (Barcode sowie die kompletten Fahrkartendaten) oder die App „DB Tickets“ mit Anzeige des Barcodes oder der Fahrkartendaten auf dem Display des mobilen Endgerätes bei aktivierter Hintergrundbeleuchtung vorzuzeigen. Die Bedienung des Endgerätes nimmt der Reisende vor; das Prüfpersonal kann jedoch die Aushändigung des Handys zu Prüfzwecken in Anwesenheit des Reisenden verlangen.

Man wird sich bei der Bahn nun sicherlich Gedanken zum zukünftigen Umgang mit der DB-Ticket-App auf Tablets machen, ich bin gespannt!

Herzlichen Dank an alle, die meinen Beitrag kommentiert und weiter verbreitet haben. Wenn es um die Bahn geht, sind sich ja anscheinend alle ziemlich einig. Aber wie ich in den Kommentaren schon schrieb: Die Bahn ist mir trotz allem noch das liebste Fortbewegungsmittel für innerdeutsche Reisen.

Links:
DRadio Wissen: VERKEHR – Bahn unterwegs im Netz

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162 Kommentare zu “Nexus7 ist für die Deutsche Bahn nicht mobil genug (mit Update)”

  1. Martin am 07. Feb. 2013 um 14:35

    Es gibt doch gar keine Eindeutige definition von „Smartphone“ oder „Tablet PC“.
    Die Trennung ist so schwammig wie die zwischen „Notebook“ und „Netbook“.

    Es gibt Smartphones die grössere displays haben als manche kleine Tablet PCs und manche Tablet PCs haben auch eine Simkarte und man kann damit auch Telefonieren.

    Daher hätte ich ihm einfach gesagt das das Nexus 7 ein Smartphone IST.
    (eins ohne Simkarte)

  2. Mateo Dieste am 21. Mrz. 2013 um 14:46

    Hallo Nicole, vielen Dank für dein Bericht. Eine Freundin von mir hat gerade heute (21.03.2013, gegen 7 Uhr) das gleiche erlebt. Sie ist von Berlin nach Amsterdam gefahren. Der erste Schaffner hat das Ticket von ihrem Samsung-Tablett eingescannt und da hatte sie gar kein Problem. Als sie umgestiegen ist, kam ein zweiter und sagte dass kein gültiges Ticket ist und sie musste sofort 80 Euro zahlen!!!! (20 Euro mehr) Sie hat es wie du Nicole versucht, ihm alles zu erklären, aber sie spricht kein Deutsch und natürlich hatte der Schaffner kein Bock auf Englisch zu diskutieren. Ich will sie auf jeden Fall helfen, aber ich hab kein Blog um deine ,,Strategie“ nachzumachen :) Was soll ich tun?
    Vielen Dank im Voraus,
    Mateo.

  3. nicole am 22. Mrz. 2013 um 11:30

    Hi Mateo, sie soll sich an den Kundendialog der Bahn (http://www.bahn.de/kontakt) wenden und den Text (nicht nur den Link) meines Blogbeitrages mitschicken. Der Fall müsste ihnen noch im Gedächtnis sein, ich gehe davon aus, dass das Geld erstattet wird. Viel Erfolg und berichte mal, wie es lief.

  4. Die Bahn macht auf mobil (lesen Sie das Kleingedruckte) | Medienzeiger am 28. Mrz. 2013 um 19:21

    […] via antischokke.de 48.106360 […]

  5. Marie am 10. Apr. 2013 um 16:58

    Durch Zufall bin ich deinen Bericht gestoßen und bin dann hängen geblieben. Vergleichbares ist mir zum Glück noch nicht passiert und bei mir klappt alles. Ich war neulich in einem Seminar an der Berliner VHS und da war tatsächlich ein Mitarbeiter der DB. Das Thema war Marketing. Die Ironie dabei ist ja, dass versucht wird alles für den Kunden / den Reisenden zu tun, aber hintenrum mit solchen Aktionen alles kaputt gemacht wird. Schade eigentlich :-/

  6. SMC011 – Romneys arbeitslose Dronendildos | SundayMoaning Cast am 25. Mai. 2013 um 13:59

    […] http://antischokke.de/2012/09/16/nexus7-ist-fur-die-deutsche-bahn-nicht-mobil-genug/ […]

  7. zephania am 29. Jul. 2013 um 12:06

    hi, es wurde gefragt wie es mit tablet geht. ich hab das probiert. ( hatte aber ein ausgedrucketes ticket in der tasche ) der schaffner hatte es noch nie hemacht, freute sich aber es mit dem scanner zu probieren. es ging ohne probleme. der scanner akzeptierte es.
    mein tablet ist ein iPad 4 mit retina display. natuerlich wenn man an so einen schaffner kommt der unbedingt zeit totmachen will ! die bahn freut sich sicher nicht wenn jemand so zeit vergeudet anstatt zu arbeiten.

  8. Jonas am 14. Okt. 2013 um 16:42

    Ich bin einmal auf dem Weg von Münster nach Hamburg gewesen.
    Ich habe das teure Ticket gekauft und auf mein iPad geladen.
    Als ich im total überfüllten Zug war suchte ich meinen Abteil.
    Die Schaffnerin sagte mir jedoch als währe es das normalste auf der ganzen Welt:
    „Ne wagen 9 wurde abgekoppelt.“
    Ich wollte mich gerade beschweren da wollte sie auch schon die Fahrkarte sehen.
    Ich holte mein iPad raus und zeigte ihr den QR Code.
    Sie wollte den Code einscannen, es funktionierte jedoch nicht….
    Ich sagte ihr dass das nicht mein Problem ist, ich habe die Karte mit der DB app gebucht und bezahlt.
    Sie wollte mich gerade deswegen zur rede stellen da beschwerten sich die anderen fahrgäste die ebenfalls zu wagen 9 wollte das es ja wohl unerhört sei, einen Wagen abzukoppeln und die Fahrgäste 4 stunden lang stehen zu lassen und den Fahrgast dann auch noch anzuschreien nur weil das Gerät nicht funktioniert.
    Ich habe mir daraufhin ihre Nummer und Namen geben lassen und mich beschwert.
    Ich habe einen persönlichen entschuldigungsbrief erhalten sowie 90 Euro entschädigung…..

    Scheiss Bahn :D

  9. Bayern CS am 11. Nov. 2013 um 14:38

    Oh ja, bei der Bahn kann man da schnell in eine Falle tappen! Deshalb immer die AGBs lesen. Ich kann die oben beschriebene Situtation zwar auch nicht nachvollziehen, da ja eigentlich alles richtig gemacht wurde, bis auf das Gerät wo man es herzeigt, aber wenns halt so in den Bestimmungen drinsteht, muss man die halt vorher mal lesen.
    Trotzdem ärgerlich!

    LG,
    Bene von Mobiler Sicherheitsdienst

  10. David am 10. Dez. 2013 um 12:34

    Ich bin eher zufällig auf den Artikel gestoßen. Leider ist er nicht mehr so aktuell, trotzdem noch ein Vermerk von mir:

    Seit 2013 wurden die AGB geändert (siehe http://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/agb/2013/mdb_134761_befoerderungsbedingungen_09_12.pdf ). Dort wurde unter Punkt 8.1.1. (Seite 102) die Möglichkeit eines Tablets erweitert:

    „Nach erfolgreicher Buchung wird das Handy-Ticket über
    die Buchungs-App gespeichert oder per MMS auf die im Buchungsdialog angegebene deutsche
    Mobilfunknummer versendet.“ bzw
    „[…] und sind als MMS oder über die Buchungs-App auf dem Display des mobilen
    Endgerätes enthalten.“

    Scheint sich also, zum Glück, wieder gebessert zu haben!

  11. Db App Ticket | COMEBUY ASK am 25. Dez. 2013 um 02:36

    […] A: Nexus7 ist für die Deutsche Bahn nicht mobil genug (mit Update … 16. Sept. 2012 … Unterwegs. Um das Ticket für meine heutige Bahnfahrt zu buchen, habe ich die DB-Ticket-App (die man ZUSÄTZLICH zum DB-Navigator … Mehr lesen » […]

  12. Felix am 13. Mrz. 2014 um 08:21

    @ David: Ich weiß nicht, ob das Update gültig ist, oder mein Schaffner einfach das Update nicht kannte, aber ich habe genau die oben beschriebene Situation am 05. März 2014 gehabt. Ich hatte auf meiner Reise 6 Schaffner und genau der Letzte wollte das Ticket auf meinem Tablet (Lenovo) nicht akzeptieren, weil ungültig, da auf dem Tablet.
    Glücklicherweise hatte ich das Ticket auch noch mit der gleichen App auf dem Handy, was dann akzeptiert wurde.

    Wobei sich mir die Logik völlig entzieht.
    Gekauft hatte ich das E-Ticket auf dem Laptop, geladen habe ich es mir auf den Tablet UND das Handy. Und das auch noch als E-Ticket und nicht als MMS. Dazu kam, dass der Schaffner zu mir meinte, es sei auch nur gültig auf dem Endgerät, auf dem es gekauft wurde, jedoch seien Laptops nicht erlaubt …

    Liebe Bahn, sollte der Schaffner in seiner Ansprache Recht gehabt haben, benötigen die AGBs einem gründlichen Update, oder die App der Entfernung aus dem AppStore.

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