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re:publica 12 – carry on, carry on!

Ich befinde mich noch immer auf so einer Art Synapsenkirmes gepaart mit langsam einsetzenden Abschiedsschmerz. Die vorletzten drei Tage habe ich von morgens bis spät nachts in der STATION-Berlin verbracht und die re:publica 2012 gefeiert.

Neuer Ort

Ehrlich gesagt hatte ich ja befürchtet, dass die Teilnehmer_innen, Themen und das Drumherum die neue Riesenlocation nicht würden füllen können. Ich hing tatsächlich sehr an der Kalkscheune und der Gemütlichkeit und Vertrautheit und bin ja – was solche tiefgreifenden Veränderungen lieb gewonnener Gewohnheiten angeht – eher konservativ.

Alles total unbegründet, es hat fantastisch funktioniert und war von Anfang an sehr geschmeidig. Die Teilnehmer_innen haben die Hallen mit ihren Vibes komplett ausgefüllt und alle Angebote (Twitterwall, Affenfelsen, bunte Plastikstühle, Fotoautomat, Open Space, Freibier, Partnerstände etc.) begeistert angenommen.

Die Organisatoren newthinking und Spreeblick haben es mit einem tollen Team und vielen Helfern wirklich geschafft, die re:publica weiter zu entwickeln, ohne sie zu verfremden oder Ideale zu verraten.

Share global, act local

Sessionvorbereitung Am ersten Tag hatten @sebaso, @wennigsen und ich direkt eine eigene Session zum Thema “Global Wissen sharen, lokal handeln – Was Du vor Ort für das Netz tun kannst und wie Wikimedia Dir dabei helfen kann.” (Präsentation hier).

Für mich persönlich (und mein Lampenfieber) war es gut, direkt am ersten Tag mittags vorzutragen, um mich dann später komplett dem Getümmel hinzugeben. Unser Publikum war zwar sehr aufmerksam, ließ sich aber leider in dieser ersten, frühen Session noch nicht so leicht in Diskussionen und Fragerunden verwickeln. Insgesamt hat aber alles gut funktioniert, wir haben ausführlich über die Möglichkeiten lokaler Arbeit für Freies Wissen aufgeklärt und bei einigen sogar Ideen für eigene lokale Aktionen ausgelöst.

Update: Es gibt unsere Session jetzt auch auf Video!! http://vimeo.com/41849494

Noch ein Update:: Es gibt die Präsentation jetzt auch weiternutzungsfreundlich auf Wikimedia Commons. Thx, @sebaso!

Slides Session RP12 Lokale Arbeit Freies Wissen

Wikimedia-Stand und CC-Broschüre

Wikimedia Deutschland hatte einen eigenen Stand im re:publica square und die Kolleginnen und Kollegen haben tolle Arbeit gemacht und ein abwechslungsreiches Programm (PDF) zusammen gestellt. Das Interesse des vorbeiflanierenden Publikums war groß, auch wenn ich persönlich mich über mehr WMDE-Präsenz im Hauptprogramm gefreut hätte.

Neben der Diskussion zu “Frauen in die Wikipedia!” war ein Highlight für mich in jedem Fall die Präsentation der Broschüre “Freies Wissen dank Creative-Commons-Lizenzen (PDF)”. Die Broschüre erklärt Folgen, Risiken und Nebenwirkungen der Bedingung ‘nicht-kommerziell – NC’ und ist in Zusammenarbeit mit iRights.info und Creative Commons entstanden.

Macht 2012 zum Jahr der Blogs!

Ich schließe mich der Meinung vieler an und möchte aus dem Gesamtprogramm den Überraschungsvortrag bzw. die Keynote der Herzen von Sascha Lobo besonders hervorheben. Kuckt am besten selbst, der Vortrag ist sehr unterhaltsam und gibt einen prima Überblick über eigentlich alles, was uns bewegt (Video Teil 1, Teil 2). Sascha ruft darin unter anderem die Renaissance der selbst kontrollierten Homepage aus und fordert die anwesenden Internetpeople auf, 2012 zum Jahr der Blogs zu machen: „Macht ruhig Tumblr, Facebook, Twitter, aber macht auch ein Blog! Bloggen! Tragt die Blogbotschaft in die Welt! Macht ein, zwei, viele Blogs! Macht Podcasts!“ Besonders erwähnenswert ist natürlich noch der von Sascha gepriesene Aufruf zum Vegetarismus von kosmar.

Iron Blogger trinken Live

Berauscht von der Ankündigung der Blog-Renaissance trafen sich die Iron Blogger Berlin am Donnerstagabend, um die Bierkasse leer zu trinken. Freibier gab es sowieso, also haben wir in Longdrinks investiert und gemeinsam 265 Euro eingesetzt. Neben dem großen Hallo mit alten Bekannten konnte ich auch endlich mal viele neue Gesichter hinter den Blogs kennen lernen. Sehr schön! Vier Aufnahmeanträge wurden ausgefüllt; insgesamt sind wir jetzt 33.

Guerilla-Karaoke – Bohemian Rhapsody

Bei der offiziellen Verabschiedung gab es diesmal kein Bohemian Rhapsody, sondern eine komische Hippie-Awesome-Band. Bei der Abschlussparty dann allerdings gerieten wir plötzlich in einen Wimmel von Menschen, die auf Stühle stiegen und ihre Stimmen zur republica-Hymne erhoben. Ich kann gar nicht so viel hachen wie ich <3en möchte.

Danke und weiter so!

Für mich war das eine der besten – wenn nicht sogar DIE – beste re:pulica ever! Das allerdings ehrlich gesagt größtenteils wegen der vielen superen Menschen, mit denen ich dort meine Zeit verbracht habe. So viele Gespräche, Pläne, Späße und Geschichten. Wahnsinn. Ich fühle mich noch immer wie berauscht von den ganzen Eindrücken.

Die Organisation war ausgezeichnet und professionell (aber dennoch mit viel Herz), gutes Catering, guter Spirit, gute Parties, gute Musik, unaufdringliche Sponsoren. Allet schick!

Ich habe so wenige Vorträge gesehen wie bei keiner vorherigen re:publica. Die Entscheidung fiel teilweise schwer, entweder liefen mehrere gute Dinge gleichzeitig oder die Titel und Abstracts hielten nicht was sie versprachen. Trotz guter Vorsätze hab ich mir Vorträge zu Themen bzw. von Menschen angeschaut, die sich sowieso kenne. Und dann saß ich in Vorträgen uns las auf twitter, dass es auf der anderen Bühne gerade viel interessanter ist. Abschießend kann ich nicht wirklich sagen, dass ich viele neue Impulse mitgenommen habe. Für nächstes Jahr wünsche ich mir weniger parallele Stränge oder einen vierten Tag.

Einige erwähnenswerte Sessions hab ich aber doch gesehen: Cindy Gallop mit Make love not porn, die twitternden Astronauten, Jacob Appelbaum und Dmytri Kleiner mit Resisting the surveillance state and its network effects, die Julias über Trollen oder getrollt werden, das Internet ist nicht mein Feind, Copyriots! Kampf der Kulturen und das Interview mit dem Regierungssprecher (OH: Guter Sprecher, falsche Regierung.), Kathrin Passig – Standardsituationen der Technologiebegeisterung.

Ich freue mich auf die re:publica 2013 und schicke ein großes Dankeschön an alle, die die letzte Woche so besonders gemacht haben.

Rerun von Pelt, Flickr, CC-BY-SA 2.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Weiterlesen:

Geht es nur mir so, oder habt ihr auch den Eindruck, dass erstmals wieder mehr von und über die Bloggerkonferenz gebloggt wurde?

Total kleine und nicht repräsentative Auswahl der Blog- und sonstiger Beiträge, die ich gelesen bzw. gehört und für zumindest interessant befunden habe:

flattr this!

15 Kommentare zu “re:publica 12 – carry on, carry on!”

  1. ben_ am 07. Mai. 2012 um 10:04

    Hmm … ich war – wieder meiner eigenen Erwartung – ja tatsächlich da, allerdings nur Mittwochabend und nur, um was gegrilltes zu essen und einen Freund zu treffen. Ich muss aber sagen, dass es mich auf der Stelle schlimm abgeschreckt hat. Halb Rock-am-Ring, halb Cebit. Vielleicht ist das eine der unschöneren Seiten des Westfälischen Gemüts, aber eine viel abschreckendere Athmosphäre hätte ich mir kaum vorstellen können. Mich gruselt’s jetzt noch, wenn ich dran denke, auch wenn es schön war, doch noch zwei (andere) nette Menschen zu treffen. Aber sowas ist mir doch lieber ohne das Brimborium drumherum …

  2. ben_ am 07. Mai. 2012 um 10:05

    “wider meiner eigenen Erwartung” muss es latürnich heißen …

  3. Wennigsen loves Wikimedia loves Monuments. | Sebastian Fiebrig am 07. Mai. 2012 um 10:56

    [...] Antischokke: re:publica 12 – carry on, carry on! von Nicole Ebber Wikigeeks: WGS002: Uuuuuund ACT!ON (#rp12 Tag 1) Bürgermeisterblog: Wiki loves Monuments -Wennigsen auf der re:publica 12 [...]

  4. n¦tropie am 07. Mai. 2012 um 13:49

    Ich muss Ben leider zustimmen. Was alle die Republica Feiernden wohl nie sehen: wie sehr sie Leute ausgrenzen, abschrecken und implizit als nicht dazugehörig abstempeln. Ich verstehe das nicht.

    Später habe ich mehrere Anwesenden nach den neuen Inhalten auf der diesjährigen Republica gefragt und nur in leere Gesichter geschaut. Nicht eine einzige spontane Antwort mit leuchtenden Augen.

    Bohemian Rhapsody gemeinschaftlich zu singen ist sicher toll. Aber Rock am Ring.

  5. nicole am 07. Mai. 2012 um 14:07

    Ich mag ja Festivals bekanntlich sehr gerne.

  6. igorette am 07. Mai. 2012 um 16:59

    ben_ & n¦tropie:

    davorgestanden oder nicht da-gewesen sein und sich dann eine meinung gebildet haben.
    ihr scheint ja wirklich die super-fühler zu haben.

  7. Zeichenlese am 08. Mai. 2012 um 11:59

    [...] re:publica 12 – carry on, carry on! (Nicole Ebber) auf antischokke.de [...]

  8. Glanzlichter: Roboter, ein Fahrrad und ein nackter Pudel — CARTA am 12. Mai. 2012 um 06:45

    [...] Ebber re:publica 12 – carry on, carry on! Eine letzte Nachbetrachtung des dann doch wieder irgendwie Klassentreffens. Hm, na gut, eine ham [...]

  9. Glanzlichter 95: Roboter, ein Fahrrad und ein nackter Pudel « … Kaffee bei mir? am 12. Mai. 2012 um 06:50

    [...] Ebber re:publica 12 – carry on, carry on! Eine letzte Nachbetrachtung des dann doch wieder irgendwie Klassentreffens. Hm, na gut, eine ham [...]

  10. n¦tropie am 13. Mai. 2012 um 14:44

    @igorette: es liegt in der Natur von “auf der Stelle schlimm abgeschreckt” (s.o.), sich schnell eine Meinung zu bilden. Ich nehme an, auch du kannst dir schnell eine Meinung zu beispielsweise Chris de Burgh bilden, ohne auf all seinen Konzerten gewesen zu sein. Ohne Super-Fühler müsstest du da laut deines eigenen Vorwurfs aber erst mal hin.

    Diese Vorstellung, man müsste ja erst einmal bei irgendetwas so richtig dabeisein, daran teilhaben und mitmachen, um den totalen Superdurchblick zu haben und sich ein Anrecht auf Kritik zu verdienen, findet man ziemlich oft, das macht sie aber nicht hilfreicher. Dasselbe müssen sich Frauen bei typischen Nerd-Aktivitäten anhören (“wir haben nix gegen Frauen, es sind bloß zu wenige da, ist aber nicht unsere Schuld”), Politikverdrossene bei Bürgerversammlungen (“ihr könnte gerne mitentscheiden, aber wenn ihr nicht kommt, ist es nicht unsere Schuld”) und und und.

    Dahinter steht die elitäre Annahme, man selbst sei Default und richtig und rein und gut und vorurteilsfrei und somit gar nicht in der Lage, bestimmte Gruppen oder Menschen (versehentlich) auszugrenzen. Dem ist nicht so. Ich sehe nicht ein, warum ben_ und ich uns an Rock am Ringpublica anpassen sollten. Andersrum wird ein Schuh draus.

    Ich fände eine Republica mit Inhalten gut. Und eine mit weniger schlechten Selbstdarstellern. (Gute Selbstdarsteller sind immer willkommen.) Jemand wie ben_ etwa haut jede Woche Inhalte wie diese oder diese raus. So etwas erwarte ich auf jedem Republica-Vortrag eigentlich in den ersten 5 Minuten. Menschen, die sich mir jesusähnlich präsentieren und dabei nicht einmal den Unterschied zwischen Copyright und Urheberrecht erklären können, möchte ich nicht sehen.

    Mein Vorschlag seit Jahren: statt eine Konferenz eher schlecht zu simulieren, einfach drei Tage lang Party machen. Das wäre ehrlicher und würde viel spaßiger sein. Bohemian Rhapsody wäre auch dabei.

  11. ben_ am 13. Mai. 2012 um 15:12

    Ich hab mir den “Muss man aber vor einem Urteil ganz und selber angetan haben” Vorwurf ein einziges Mal wirklich zu Herzen genommen, mir den ersten Band von Harry Potter bestellt und angefangen das zu lesen. Nach 30 oder 40 Seiten war mir dann klar: Das mach ich nie wieder.

    Wie gesagt: Bei mir ist das schlicht eine Gemütsfrage. Ich hätte gerne Frank und Felix getroffen und Dich latürnich auch Dich, Igorette! Wir haben uns ja schon eine Ewigkeit nicht gesehen. Und ich hab mich ja riesig gefreut Joha und Kai getroffen zu haben.

    Aber schon die Businesskasperse, die aus der VIP-Lounge kamen … weil ich mit solchen Menschen nach Möglichkeit nichts mehr zu tun haben will, habe ich bei meinem letzten Arbeitgeber gekündigt. In meiner Freizeit möchte ich die erst recht nicht sehen.

  12. ihdl am 13. Mai. 2012 um 15:45

    @n¦tropie das mit den ausschlüssen: care to elaborate?

  13. Results for week beginning 2012-05-07 « Iron Blogger Berlin am 14. Mai. 2012 um 09:33

    [...] re:publica 12 – carry on, carry on! [...]

  14. n¦tropie am 14. Mai. 2012 um 13:31

    @ihdl Na, siehe bens Kommentare hier.

    Und vor allem Antworten wie diese, die einigermaßen typisch sind, zumindest für die Alphatiere: so schnell wie möglich auf Twitter antworten, um öffentlich in Erscheinung zu treten, dabei aber nicht auf den verlinkten Text eingehen, sondern nur auf das getwitterte Zitat, weil das für die eigenen Follower viel sichtbarer, also wichtiger ist. Exakt dasselbe Prinzip wie bei Politikern vor und nach Wahlen.Schlüsselreiz rein, Schlüsselreiz raus, eine kleine Diffamierung des Gegners (“Kotze”) noch im Gepäck mitschicken, fertig.

  15. Drittes Treffen der Iron Blogger Berlin am 29. Mai 2012 » antischokke am 20. Mai. 2012 um 17:55

    [...] dem tollen Iron-Blogger-Treffen bei der re:publica haben wir kurzerhand entschlossen, uns in Kürze nochmal zum Vertrinken der Bierkasse zu [...]

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